Tuesday, November 04, 2008

Die Anatomie des Bösen

Die Anatomie des Bösen
Ein Schnitt durch Körper, Moral und Geschichte

Die Anatomie des Bösen» heisst die aktuelle Ausstellung im Museum zu Allerheiligen,und sie ist ein Muss, eine Inspirationsquelle für das eigene Denken über ein «ewiges» Rätsel der Menschheit als Kollektiv und als Individuum.

«Ein Schnitt durch Körper, Moral und Geschichte.» Die frühere Benediktinerabtei Allerheiligen sei, so Thomas Feurer in seiner Ansprache, der ideale Ort für diese Ausstellung, denn schon die Mönche hätten stets über das Problem des Bösen nachgedacht. Dann beleuchtete er die Thematik aus der Sicht des Sozialreferenten und sagte: «Gewalt ist der Feind des Guten und einer prosperierenden Zukunft. In der Not frisst sich die Gewalt an die Oberfläche.
Die aktuellsten Strömungen der Hirnforschung würden die Antwort auf diese Frage nicht im Seelischen vermuten, sondern versuchten, den Sitz des Bösen im Körper zu verorten, durch das Auffinden von physiologischen Merkmalen für moralisch verwerfliches Handeln. "Wir identifizieren derzeit Mechanismen im Hirn, die ein Verhalten hervorbringen können, was wir moralisch als böse, juristisch als strafbar bewerten.» . Die Frage nach der Körperlichkeit des Bösen, die der Zürcher Theologe Johann Caspar Lavater 1775 noch an äusseren Merkmalen, an der Physiognomie erkennen wollte – «Je moralisch besser, desto schöner; je moralisch schlimmer, desto hässlicher» –, hat sich nun offenbar auf die inneren Strukturen verlagert.
Noch einmal Markowitsch: «Das Böse ist eine Fiktion.» Und das Gute? Das Feld der Fiktion betrat nach den Eingangsreferaten der Autor Kaspar Schnetzler. Er las aus seinem Roman «Die Gilde», der die Geschichte eines Anatomen erzählt, der entdeckt, dass er sich nicht an die Kindheit erinnern kann, und sich anschickt, den Sitz der Erinnerung an die Kindheit in fremden Gehirnen zu suchen. Er braucht dafür Leichen. Später landet er als Mörder auf dem Seziertisch.
Beim Gang durch die Ausstellung wird die Besucherin, der Besucher wohl eine ziemlich ähnliche Erfahrung gemacht haben. Beispiele aus der Kunstgeschichte zeigen körperlich entstellte Dämonen, und oft sind böse und gute Menschen leicht zu unterscheiden. Nicht so in den Fotografien von historischen Persönlichkeiten. Die Biographien derer, die man nicht erkennt, kann man in aufklappbaren Laden nachlesen, und man erkennt die Realität dessen, was die Philosophin Hannah Arendt bereits vor Jahrzehnten genannt hat: «Die Banalität des Bösen.»

2. November 2008 bis 10. Mai 2009
Museum zu Allerheiligen

Baumgartenstrasse 6
CH - 8200 Schaffhausen
T: 0041 (0)52 633 07 77
F: 0041 (0)52 633 07 88
E: admin.allerheiligen@stsh.ch
W: http://www.allerheiligen.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 11 - 17 Uhr

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